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September 2024 - Das tägliche Leben in Honduras

In den letzten zwei Monaten war auf politischer Ebene viel los, wie fast jeden Monat😊

Die aktuelle PrĂ€sidentin und ihre Partei haben ein AushĂ€ndigungs- Abkommen mit den USA beendet. Somit kann ab sofort niemand mehr an die USA ausgeliefert werden. Dies hat fĂŒr viel Aufsehen gesorgt, denn Honduras ist politisch wie auch wirtschaftlich sehr abhĂ€ngig von dieser grosser Nation. Viele korrupte Personen, welche hier in Honduras keine gerechte Strafe erhalten, oftmals nicht einmal in Betracht zu einer Untersuchung gezogen werden, konnten “dank” des Abkommens in den USA vor Gericht gerufen und zur Rechenschaft gezogen werden. Auf der anderen Seite hat dies auch eine grosse AbhĂ€ngigkeit mit diesem Land generiert, denn eigentlich sollte das Justizsystem des eigenen Landes solche Aufgaben ĂŒbernehmen. Eine andere, jedoch traurigere Neuigkeit war, dass Juan Lopez, ein Menschenrechtsaktivist, ermordet worden ist; dies ist leider keine Seltenheit hier in Honduras. Verantwortlich fĂŒr solche Ereignisse sind oft internationale Konzerne, fĂŒr welche solche Aktivisten und Aktivistinnen ein grosses Hindernis fĂŒr ihre korrupten GeschĂ€fte sind. Laut dem Bericht von “Global Witness” ist Honduras das Land mit der höchsten Mordrate pro Kopf bei Menschenrechtsverteidiger:innen 🙁 Der Monat September ist der Patria gewidmet. Am 15. September ist UnabhĂ€ngigkeit-Tag und dies wurde wie jedes Jahr sehr gross gefeiert. Dieses Jahr hatte ich ein interessantes GesprĂ€ch mit einer pensionierten Lehrerin, welche mir erzĂ€hlte, dass die KostĂŒme fĂŒr die Paraden (welche jeweils an diesem Tag in allen StĂ€dten durchgefĂŒhrt werden) sehr teuer sind. Einige kosten umgerechnet fast 3000 Schweizer Franken! Der soziale Druck ist fĂŒr einige Familien so stark, dass sie sich verschulden, um ihren Kindern ein “wĂŒrdiges” KostĂŒm fĂŒr die Parade zu ermöglichen. Eines der Kleider, die am UnabhĂ€ngigkeit-Tag getragen werden. Auch das Thema ElektrizitĂ€t sorgt hier in Honduras oft fĂŒr viel Aufsehen. Momentan wird einmal pro Woche Unterhaltsarbeiten durchgefĂŒhrt, somit haben wir an diesem Tag von morgens bis meistens spĂ€t am Abend kein Strom. Vorinformiert wird nicht, plötzlich ist der Strom weg, was oft sehr unbequem ist. Bei uns im Haus ging eine Stromleitung kaputt und da der öffentliche Stromversorger solche Sachen nicht repariert, haben wir einen Nachbarn um Hilfe gebeten, welcher Erfahrung mit diesen Problemen hat. Er ist auf den hohen Strompfosten gestiegen mit selbstgebastelten Schuh-Hacken (siehe Foto). Als ich ihn gefragt habe, woher diese Idee kam, erzĂ€hlte er mir, dass er dies bei einem Arbeitskollegen gesehen und nachgebaut hat. Ich war sehr verblĂŒfft und musste etwas schmunzeln; da der Staat hier oft keine grosse Hilfe ist, wissen sich die Leute selbst zu helfen! Unser Strom funktioniert seitdem wieder tiptop.


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