Eingetragen in Das tÀgliche Leben in Honduras.
November 2022 - Das tägliche Leben in Honduras
Geschrieben von Mirjam Geiser am .
Mein letzter Erfahrungsbericht ist einige Monate her und der Grund dafĂŒr hat einen Namen und Vornamen đ
Unsere Tochter wurde Anfang September hier in Honduras geboren und wir geniessen das Familienleben. Der Monat September war gekennzeichnet von vielen Feiertagen. Gross wird der âDia del Niñoâ (Tag der Kinder) gefeiert und danach kommt der 15-de-Septiembre, wo die UnabhĂ€ngigkeit Honduras gefeiert wird. Beides sind wichtige Feste in Honduras und sogar auf allen Radiostationen wird im Monat September pĂŒnktlich um 12:00 Uhr mittags die Nationalhymne abgespielt. Diese Nationalhymne ist auch sehr prĂ€sent im Bildungssystem: Die 7 Strophen mĂŒssen auswendig gelernt werden. Jeweils am Ende der 6. Klasse, am Ende der 9. Klasse und auch am Ende der UniversitĂ€t wird dies ĂŒberprĂŒft. Kann die Hymne am Ende der UniversitĂ€t nicht fehlerfrei gesungen werden, gilt die ganze Studienzeit als nichtbestanden. Erst nach erfolgreicher âHymnen-PrĂŒfungâ wird der Uni-Titel ausgestellt. Es geht also noch sehr patriotisch zu und her… Covid ist in Honduras stark in den Hintergrund gerĂŒckt. Aktuell ist die Diskussion, ob die immer noch geltende Maskenpflicht aufgehoben werden kann oder nicht. NatĂŒrlich gibt es viele Gegner gegen diese Aufhebung, da der Maskenverkauf/-handel mittlerweile ein grosses GeschĂ€ft geworden ist. Und die Besitzer dieser GeschĂ€fte haben sehr viel Macht und Mitsprache in solchen Entscheidungen; leider! Ein trauriges PhĂ€nomen, welches seit einigen Monaten immer mehr an PrĂ€senz annimmt, ist die Migration von Venezolanerinnen und Venezolaner, sowie von Haitianerinnen und Haitianer. Es klingt sehr paradox und ist es auch! Auf Grund der schwierigen Situation in Venezuela und Haiti machen sich viele auf den Weg in die USA, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie durchqueren Zentralamerika und so auch Honduras. Mehr und mehr sieht man diese Personen, oft auch mit Kindern, auf den Strassen in der Hauptstadt um Geld betteln, damit sie weiterziehen können. Vor ein paar Monaten noch mussten sie ein âDurchreise-Geldâ in Honduras von umgerechnet 200 USD bezahlen! Eine immense Summe, welche viele gar nicht bezahlen konnten und so in der stĂ€ndigen Angst leben, von der Migrationsbehörde gefunden zu werden. Dank dem Druck von mehreren Menschenrechts-Organisationen wurde diese Regel glĂŒcklicherweise aufgehoben. Der Druck aus der USA auf Honduras ist gross, denn die amerikanische Regierung âspendetâ Geld an Honduras, damit sie sich um diese Migrantinnen und Migranten âkĂŒmmernâ und diese so nicht in die USA gelangen. Eine sehr traurige und schwer zu verstehende Situation. Ein Land wie Honduras, welches selber schon genug mit Migration zu kĂ€mpfen hat, soll sich jetzt auch noch um die Migrantinnen und Migranten aus Venezuela und Haiti kĂŒmmern…?! Unsere Bibliothek wurde auch in meiner Abwesenheit fleissig weitergefĂŒhrt. Belkis, die Lehrerin aus dem Dorf, hat sich der Bibliothek angenommen und die Nachhilfestunden sowie den Bastel- und Spielnachmittag weitergefĂŒhrt. Auch wurde der Tag der Kinder gefeiert, an welchem Besuch von der Organisation âRotes Kreuz Hondurasâ empfangen werden durfte. Das Schuljahr geht Ende November zu Ende und die Kinder haben bis Februar Ferien. Traurig ist die Tatsache, dass anscheinend das Bildungs-Departement den Schulen vorgeschrieben hat, dass kein Kind die Klasse wiederholen darf. Dies war schon letztes Jahr der Fall und der Grund dafĂŒr ist das gute Da-Stehen vor den internationalen Geldgebern. Es wird sehr viel Geld fĂŒr den Bildungssektor gespendet und die Regierung muss sich rechtfertigen, wenn viele Kinder die Klasse nicht bestehen. Doch die Lehrerin aus dem Dorf hat mir erzĂ€hlt, dass viele Kinder der ersten Klasse immer noch sehr grosse MĂŒhe mit Lesen und Schreiben haben und sie jetzt in ihren Ferien Nachhilfe fĂŒr diese SchĂŒlerinnen und SchĂŒler geben muss. In der Bibliothek sind wir an AktivitĂ€tsplanung, um ihnen die unterrichtsfreie Zeit mit Spass zu versĂŒssen und langsam aber sicher die Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.
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