Skip to main content

Januar 2026 - Das tägliche Leben in Honduras

Das neue Jahr ist nur ein Monat alt und die Ereignisse hier in Honduras haben sich seit den Präsidentschafts-wahlen letzten November nur so überstürzt.

Ich habe einige Male versucht, die Ereignisse zusammen zu fassen, aber sobald ich etwas geschrieben hatte, gab es am nächsten Tag schon wieder eine neue Version davon. Obwohl die Wahlen ruhig verlaufen sind, gab es danach viele Korruptionsfälle, wie zum Beispiel das nicht-Zählen einiger Wahlzettel und das indirekte-direkte Eingreifen der USA in die Wahlen. Die honduranische Bevölkerung wusste erst Anfang Januar definitiv, welcher Präsident “gewählt” worden war; gewählt oder bestimmt worden: der Kandidat der rechten Partei Nasry Asfura. Er vertritt eine konservative Ansicht und ist einer der führenden Geschäftsleuten hier in Honduras.  

Ende Januar war der offizielle Präsidentenwechsel. Viele Honduranerinnen und Honduraner sind sehr enttäuscht über das Geschehene. Oft habe ich den Satz gehört “Für was gehen wir überhaupt wählen, wenn dann doch die nationale und internationale Elite bestimmt, wer Präsident wird?” Sobald in Honduras ein Präsident einer anderen politischen Partei an die Macht kommt,  werden auch die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regierung und aller öffentlichen Büros ausgewechselt. Viele Bekannte von uns, welche in den letzten vier Jahren in der Verwaltung der Regierung gearbeitet haben, werden in den nächsten Monaten ihren Job verlieren und durch neue Mitarbeitende ersetzt. Dieser Übergang ist für die Bevölkerung immer sehr anstrengend und nervenaufreibend, denn das neue Personal erhält oft keine Einführung, Dokumente gehen verloren oder Computersysteme funktionieren nicht, etc.  Und doch geht das tägliche Leben für alle weiter.

Der Vater unserer Nachbarin war Mitte Januar gestürzt und hat sich dabei das Hüftgelenk gebrochen. Er wurde ins öffentliche Spital gebracht und nach 12 Tagen stationär wurde er immer noch nicht operiert. Unsere Nachbarin erzählte mir, dass es täglich eine neue Ausrede gab, wieso die Operation nicht stattfindet:  der Arzt könne an diesem Tag nicht kommen, eine zur Operation nötigen Untersuchung fehle, das Operationsmaterial mangle und so weiter. Und so beschloss die Familie, einen Kredit aufzunehmen von umgerechnet fast 3’000 CHF und verlegten ihren Vater in eine Privatklinik, wo er noch am selben Nachmittag operiert wurde. Immer wieder ist es traurig zu sehen, wie das Geld alles regiert, hier in Honduras sogar die eigene Gesundheit. Nun steht die Familie vor einem grossen Schuldenberg. Zum Vergleich, das Durchschnittseinkommen hier in Honduras beträgt umgerechnet 350 CHF. 

In der Bibliothek konnten wir eine gemütliche Weihnachtsfeier mit selbstgebackenen Guetzli geniessen und sind im Januar wohlauf ins neue Jahr gestartet. Das neue Schuljahr beginnt Anfang Februar hier in Honduras und ich freue mich sehr, dass wir auch dieses Jahr wieder Nachhilfe anbieten können 😊  

Foto: der neue Präsident Nasry Asfura (Agencia de Noticias Argelina)


© RedSol - Solinetz Zentralamerika